«Was kostet Fulfillment?» ist die häufigste Frage in unseren Erstgesprächen – und die am seltensten ehrlich beantwortete. Die meisten Anbieter nennen einen Pick-&-Pack-Preis und schweigen über den Rest. Dieser Artikel zerlegt die Fulfillment-Kosten in alle Bausteine, zeigt marktübliche Richtwerte für die Schweiz und Deutschland, rechnet ein komplettes Beispiel mit 500 Sendungen pro Monat durch und vergleicht es mit dem eigenen Lager. Am Ende weisst du, welche Zahl du von jedem Anbieter verlangen musst: die Kosten pro Auftrag, alles inklusive.
Die acht Kostenbausteine
Eine Fulfillment-Rechnung besteht aus Positionen, die unterschiedlich skalieren: Manche fallen pro Auftrag an, manche pro Artikel, manche pro Monat. Wer das versteht, kann Offerten vergleichen.
- Onboarding und Integration. Einmalig: Anbindung deines Shops oder ERP, Anlage der Artikelstammdaten, erste Einlagerung, Schulung. Viele Anbieter verlangen hier eine Pauschale, einige verzichten darauf.
- Wareneingang. Pro Palette, pro Karton oder pro Stück: Annahme, Zählen, Prüfen, Einlagern. Teurer wird es, wenn jede Einheit einzeln kontrolliert, etikettiert oder mit Charge und Haltbarkeit erfasst werden muss.
- Lagerung. Pro Palettenplatz, Fachboden oder Kubikmeter und Monat. Das ist der Baustein, den du am stärksten selbst steuerst: Wer Bestände schlank hält, zahlt wenig.
- Pick & Pack. Das Herzstück: eine Grundgebühr pro Auftrag plus ein Betrag für jede weitere Position. Ein Auftrag mit drei verschiedenen Artikeln kostet mehr als einer mit einem Artikel.
- Verpackungsmaterial. Karton oder Versandtasche, Füllmaterial, Klebeband. Entweder pro Sendung verrechnet oder als Materialpreis; mit eigener Markenverpackung sparst du hier.
- Porto. Der grösste Posten – im B2C oft mehr als die Hälfte der gesamten Logistikkosten. Fulfillment-Anbieter bündeln Volumen und geben Rahmenverträge weiter.
- Retouren. Pro Rücksendung: Annahme, Prüfung, Wiedereinlagerung – plus Aufbereitung, wenn Ware gereinigt, neu verpackt oder gedämpft werden muss.
- Zusatzleistungen. Beilagen, Kitting, Bundles, Geschenkverpackung, Etikettierung, Verzollung, Palettenversand B2B. Alles einzeln bepreist – und alles optional.
Richtwerte 2026 für die Schweiz und Deutschland
Die folgenden Spannen sehen wir aktuell im Markt. Die Schweiz liegt wegen Löhnen und Porto rund 15–25 % über Deutschland.
| Baustein | Einheit | Schweiz (CHF) | Deutschland (EUR) |
|---|---|---|---|
| Onboarding | einmalig | 0 – 2’000 | 0 – 1’500 |
| Wareneingang | pro Palette | 20 – 40 | 15 – 30 |
| Wareneingang mit Einzelstückkontrolle | pro Stück | 0.15 – 0.40 | 0.10 – 0.30 |
| Lagerung Palettenplatz | pro Monat | 15 – 25 | 10 – 18 |
| Lagerung Fachboden | pro Monat | 4 – 8 | 3 – 6 |
| Pick & Pack Grundgebühr | pro Auftrag | 2.00 – 3.50 | 1.60 – 3.00 |
| Jede weitere Position | pro Position | 0.30 – 0.80 | 0.25 – 0.60 |
| Verpackungsmaterial | pro Sendung | 0.40 – 1.50 | 0.30 – 1.20 |
| Porto Paket bis 2 kg, Inland, Rahmenvertrag | pro Sendung | 6.50 – 9.00 | 4.00 – 5.50 |
| Retoure inkl. Prüfung | pro Retoure | 3.00 – 6.00 | 2.50 – 5.00 |
| Beilage (Flyer, Karte, Probe) | pro Sendung | 0.20 – 0.50 | 0.15 – 0.40 |
| Kitting / Bundle | pro Set | 0.50 – 2.00 | 0.40 – 1.50 |
| Verzollung Sammelsendung CH ↔ DE | pro Anmeldung | 60 – 150 | 50 – 120 |
Zwei Dinge fallen auf: Erstens ist das Porto fast so teuer wie alle anderen Bausteine zusammen. Zweitens sind die Unterschiede zwischen Anbietern bei Pick & Pack klein – die grossen Unterschiede entstehen bei Porto, Lagerung und bei dem, was nicht in der Offerte steht.
Beispielrechnung: 500 Sendungen pro Monat
Nehmen wir einen typischen Shop, wie wir ihn täglich sehen: eine Kosmetikmarke mit Sitz in der Schweiz, 500 Bestellungen pro Monat, durchschnittlich 1.8 Positionen pro Bestellung, Pakete unter einem Kilo, eine Dankeskarte in jeder Sendung, 4 % Retouren. Der Bestand liegt auf 6 Paletten und 30 Fachböden, pro Monat kommen zwei Paletten Nachschub.
| Position | Rechnung | CHF / Monat |
|---|---|---|
| Pick & Pack Grundgebühr | 500 × 2.50 | 1’250 |
| Weitere Positionen | 500 × 0.8 × 0.50 | 200 |
| Verpackungsmaterial | 500 × 0.80 | 400 |
| Beilage | 500 × 0.30 | 150 |
| Porto (Ø 0.9 kg, Rahmenvertrag) | 500 × 7.50 | 3’750 |
| Retouren inkl. Aufbereitung | 20 × (4.00 + 1.00) | 100 |
| Lagerung | 6 × 20 + 30 × 6 | 300 |
| Wareneingang | 2 Paletten × 25 | 50 |
| Total | 6’200 | |
| Pro Auftrag, alles inklusive | 6’200 / 500 | 12.40 |
| davon Porto | 7.50 | |
| davon Fulfillment ohne Porto | 4.90 |
Die entscheidende Zahl ist die letzte Zeile: Rund fünf Franken pro Bestellung kostet es, dass jemand anderes lagert, kommissioniert, verpackt, Beilagen beilegt, Retouren prüft und den Wareneingang erfasst. Alles andere ist Porto – und das zahlst du so oder so, im eigenen Lager meist mehr.
Was passiert bei 200 und bei 2’000 Sendungen?
Fulfillment skaliert – aber nicht linear. Die variablen Kosten pro Auftrag sinken mit dem Volumen, weil bessere Porto-Staffeln greifen; die Lagerkosten steigen, weil mehr Ware liegt. So verändert sich das Beispiel:
| 200 Sendungen | 500 Sendungen | 2’000 Sendungen | |
|---|---|---|---|
| Fulfillment pro Auftrag (ohne Porto) | 4.20 | 4.20 | 4.20 |
| Porto pro Auftrag | 8.20 | 7.50 | 6.80 |
| Lagerung + Wareneingang pro Monat | 225 | 350 | 950 |
| Total pro Monat | 2’705 | 6’200 | 22’950 |
| Pro Auftrag, alles inklusive | 13.53 | 12.40 | 11.48 |
Darum arbeiten wir ab 200 Sendungen pro Monat und Standort: Darunter sind die Fixkosten pro Auftrag so hoch, dass es sich für beide Seiten nicht rechnet. Darüber wird jeder zusätzliche Auftrag günstiger.
Vergleich: eigenes Lager
Die ehrliche Vergleichsrechnung berücksichtigt nicht nur Miete und Löhne, sondern auch das, was im eigenen Lager gern vergessen geht: Porto zu Einzeltarifen, Software, Material, Fehlsendungen – und die Zeit der Gründerin, die statt zu verkaufen Pakete klebt.
| 500 Sendungen pro Monat | Eigenes Lager (CHF) | Fulfillment (CHF) |
|---|---|---|
| Lagerfläche 80 m² à 18 / m² | 1’440 | 300 |
| Personal, 50 %-Stelle inkl. Nebenkosten | 3’000 | in Pick & Pack enthalten: 1’450 |
| Verpackungsmaterial | 400 | 400 |
| Porto (Einzeltarif 9.50 vs. Rahmenvertrag 7.50) | 4’750 | 3’750 |
| Versandsoftware, Etikettendrucker, Waage | 100 | 0 |
| Beilagen, Retouren, Wareneingang | 200 | 300 |
| Total pro Monat | 9’890 | 6’200 |
| Pro Auftrag | 19.78 | 12.40 |
Natürlich kann man die Zahlen drehen: Wer das Lager ohnehin hat und selbst packt, rechnet mit null Personalkosten. Dann sind es immer noch rund 6’700 Franken für Miete, Material und teureres Porto – und 500 Bestellungen à vier Minuten sind 33 Stunden im Monat, die nicht ins Wachstum fliessen. Spätestens bei der ersten Saisonspitze oder der ersten Krankheit zeigt sich, was das eigene Lager wirklich kostet: Es skaliert nicht.
Versteckte Kosten, nach denen du fragen musst
Die Offerten verschiedener Anbieter unterscheiden sich bei Pick & Pack um Rappen – und bei den folgenden Punkten um Hunderte von Franken pro Monat:
- Monatliche Grundgebühr oder Mindestumsatz. Manche Anbieter verrechnen eine fixe Kontogebühr oder ein Minimum, auch in schwachen Monaten.
- Peak-Zuschläge. Aufschläge im November und Dezember – genau dann, wenn du am meisten versendest.
- Langzeitlagerung. Zuschläge für Ware, die länger als sechs oder zwölf Monate liegt.
- Portozuschläge. Treibstoffzuschlag, Sperrgut, Samstagszustellung, nicht zustellbare Sendungen – frag, was im Porto enthalten ist.
- Verpackungsmaterial zum Listenpreis. Ein Karton für 2.50 statt 0.80 macht bei 500 Sendungen 850 Franken aus.
- Retourenaufbereitung. «Retoure 3.00» klingt gut, bis die Aufbereitung pro Artikel separat kommt.
- Integrationskosten. Eine Anbindung, die «individuell» entwickelt wird, kostet Geld und Zeit. Standard-Connectoren für Shopify, WooCommerce, Shopware oder Billbee sollten inklusive sein.
- Kündigungsfristen und Auslagerungsgebühren. Was kostet es, wieder zu gehen? Ein fairer Anbieter nennt die Zahl ohne Zögern.
- Verzollung. Wer in die Schweiz oder in die EU liefert, sollte wissen, ob die Zollanmeldung pro Paket oder pro Palette abgerechnet wird – der Unterschied ist das Zehnfache. Mehr dazu im Zollguide Schweiz ↔ Deutschland.
So liest du eine Fulfillment-Offerte
Vergleiche nie Einzelpreise, sondern immer das Total für dein konkretes Profil. Dafür brauchst du fünf Zahlen aus deinem Shop: Sendungen pro Monat, Positionen pro Auftrag, durchschnittliches Paketgewicht, Retourenquote und benötigter Lagerplatz. Schick diese Zahlen an jeden Anbieter und verlange:
- die Kosten pro Auftrag, alles inklusive ausser Porto,
- den Portopreis für dein typisches Paket inklusive aller Zuschläge,
- die monatlichen Fixkosten (Lagerung, Grundgebühren, Software),
- die einmaligen Kosten (Onboarding, Integration, Erst-Einlagerung),
- die Vertragsbedingungen: Laufzeit, Kündigung, Mindestvolumen, Peak-Zuschläge.
Dann rechnest du: (Kosten pro Auftrag + Porto) × Sendungen + Fixkosten. Diese eine Zahl ist vergleichbar. Alles andere ist Marketing.
Wann sich Fulfillment lohnt – und wann nicht
Es lohnt sich, sobald du regelmässig ein paar hundert Sendungen pro Monat verschickst, dein Team Zeit fürs Wachstum braucht, du mehrere Kanäle oder Länder bedienst, Saisonspitzen hast oder in einen zweiten Markt willst – etwa aus Deutschland in die Schweiz oder umgekehrt, wo ein Lager im Zielland die Verzollung pro Paket erspart.
Es lohnt sich (noch) nicht, wenn du unter 100 Sendungen pro Monat liegst und ohnehin Platz und Zeit hast, wenn deine Produkte extrem erklärungsbedürftig sind und du jedes Paket persönlich prüfen willst, oder wenn dein Sortiment aus wenigen, sehr grossen oder sehr empfindlichen Artikeln besteht, für die Standardprozesse nicht passen.
Dazwischen entscheidet die Rechnung. Und die machen wir gern mit deinen echten Zahlen: Der Preisrechner zeigt dir in zwei Minuten, was dein Fulfillment bei uns kostet – aus eigenen Lagern in der Schweiz und in Deutschland, mit Porto über unsere Rahmenverträge, ohne versteckte Positionen.
Häufige Fragen
Was kostet Fulfillment pro Bestellung?
Für einen typischen B2C-Shop mit kleinen Paketen liegen die Kosten ohne Porto bei rund 4 bis 6 Franken pro Auftrag in der Schweiz und 3.50 bis 5 Euro in Deutschland. Mit Porto sind es etwa 11 bis 14 Franken beziehungsweise 8 bis 10 Euro. Die genaue Zahl hängt von Positionen pro Auftrag, Paketgewicht und Volumen ab.
Warum nennen Anbieter keine Preise auf der Website?
Weil der Preis von deinem Profil abhängt – und weil die Rechnung mit einem Einzelpreis irreführend wäre. Seriös ist eine Offerte auf Basis deiner Zahlen. Unser Preisrechner liefert dir genau das, ohne Verkaufsgespräch.
Ist das Porto über einen Fulfillment-Anbieter wirklich günstiger?
In der Regel ja: Anbieter bündeln das Volumen vieler Shops und geben Rahmenverträge mit der Post, DHL oder anderen Diensten weiter. Je nach Volumen und Paketprofil sind bis zu 30 % gegenüber Einzeltarifen möglich. Lass dir den Portopreis für dein typisches Paket schriftlich geben.
Gibt es ein Mindestvolumen?
Bei den meisten Anbietern ja, oft zwischen 100 und 500 Sendungen pro Monat. Bei uns sind es 200 Sendungen pro Monat und Standort – darunter rechnet sich die Zusammenarbeit für beide Seiten nicht.
Welche Kosten entfallen im eigenen Lager, wenn ich auslagere?
Miete, Lagerausstattung, Versandsoftware, Etikettendrucker, Verpackungsmaterial zu Kleinmengenpreisen, Porto zu Einzeltarifen und vor allem Personalzeit – inklusive Ferienvertretung, Krankheit und Saisonspitzen.
Stand: Oktober 2026. Alle Beträge sind Richtwerte zur Orientierung und keine Preiszusage.




